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Oktober, 2014:
Ausgabe #9 ist erschienen

Patrick Viol

Das Maß aller Dinge         

Warum immer etwas fortschreitet im Ganzen, nur das Ganze bis heute nicht – Totalitarismustheorie und das wiedervereinigte Deutschland

 

Deutschland feiert sich

2009, das politisch und medial initiierte Supergedenkjahr, zu welchem aus vielen Ecken Deutschlands ein feierlich dröhnendes Jubeln zum 20. Jahrestag des deutschen Mauerfalls, dem Wegbereiter der Wiedervereinigung, ertönt, das vom bundesrepublikanischen Crescendo einer geläuterten Republik zu deren 60. Geburtstag begleitet wird. Es ist der »Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Bundesrepublik Deutschland«, so der Bundesratspräsident Peter Müller. Ein märchenhaftes Jahr deutscher Erinnerung an die »Friedliche Revolution« von '89, in welcher das deutsche Volk (wieder) »WIR« wurde und zusammenführte, was äußerlich getrennt wurde aber doch innerlich zusammen gehört. 2009 ist das »Jubiläum Freiheit und Einheit« zum Gedenken an eine demokratische Kraft, welche das deutsche Volk '89 im drohenden Angesicht eines »totalitären Staates« sich furchtlos erheben und am 9. November vor den Augen der Welt durch das Tor der Unterdrückung in die Freiheit schreiten ließ. Diesem Tag zu Ehren feiert Deutschland ein »Fest der Freiheit«, das der Überwindung des Realsozialismus, der Diktatur des »Unrechtstaates« DDR und der heroischen Geburt der großen BRD gedenken soll. Ein massenhaft getragenes Gedenken an ein Volk, das sich schmerzvoll durch die Geburtswehen der Vereinigung kämpfte, unter dem der Grund zur Trennung verstummt, den das Gedenken zum 8. Mai versucht hochzuhalten: dass jenes Volk einst mit Waffengewalt getrennt und zur Demokratie nach Vernichtungskrieg und Shoah gezwungen werden musste. So drückt im Angesicht der schmählich getragenen Aktivitäten zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus die große  Freude, der massenhafte Andrang, das Jubeln und Klatschen vor den Tribünen zum Mauerfall nur eines aus: 1989, das eigentliche 1945, die endgültige Befreiung Europas.

Deutschland erinnert sich

60 Jahre BRD, 60 Jahre Ende des Nationalsozialismus, 20 Jahre Ende des realexistierenden Sozialismus bedeuten die Etablierung eines neuen Deutschlands, das seine Vergangenheit akribisch aufarbeitete und sich heute Demokratie, Weltoffenheit und soziale Marktwirtschaft als weltdurchdringendes Signal selbstbewusst ans Revers heften kann. Der lange Marsch aus dem dunklen Moloch des schon lange beanstandeten Schuldkomplexes in den deutsch prunkenden Palast einer erneuerten nationalen Identität wurde hinter sich gebracht, die Reputation eines Tätervolks ist abgeklungen. Es erklingt vielmehr in der eigenen Laudatio der Tenor einer erfolgreichen Überwindung des Kniescheiben zerberstenden Ballastes »zweier Diktaturen«, die die deutsche Bevölkerung gleichermaßen unter sich begruben: die nationalsozialistische wie die realsozialistische. Die zweite gilt es, in Anlehnung an die »Lehre aus Weimar« und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der sich daraus ergebenden Verantwortung für Deutschland und die Welt, vollends aufzuarbeiten, dass ein solches »Verbrechen gegen die Menschheit« sich in Zukunft nicht wiederholt. Dabei geht es um die Etablierung einer Erinnerungskultur bzw. -politik, die ohne Umschweife, das Unrecht der totalen Staaten DDR und UdSSR zu bezeichnen und gleichfalls die Maßnahmen anzuzeigen versucht, die einer Neuauflage des Kommunismus1 die Möglichkeit verwehrt, weiß man doch um die bitteren Konsequenzen, die zwangsläufig aus einem solchen Gesellschaftsprojekt für die Menschheit resultieren: Gulags, Spitzelterror, Mauern, Armut und politischer wie kultureller Regress. So wird man dank deutscher Erinnerungspolitik um das wahre Wesen des Kommunismus erhellt: Er bedeutet an sich die Etablierung menschenverachtender Herrschaftsverhältnisse - das beweist die Geschichte. Wer also nach dem Ende des realexistierenden Sozialismus noch einer sozialistischen gar kommunistischen Emanzipation eine reale Möglichkeit zuspricht, der gilt als ideologisch und historisch unverbesserlich und ist am besten in einem aserbaidschanischen Kloster aufgehoben, dessen welthistorische Relevanz der des Kommunismus entspricht.

Dieser scheint mitsamt der DDR und der Sowjetunion untergangen, musste also geschichtlich vor dem Westen, d.h. vor dem Kapitalismus kapitulieren, und sein gespenstischer Spuk wird über das Mühlrad scheinbarer historischer Objektivität auf den Müllhaufen der bürgerlichen Geschichte gezerrt - das Ende der Geschichte scheint endlich erklommen.

Deutschland entledigt sich

Dieses Wesen des realexistierenden Sozialismus, so vernimmt man im Zuge deutschen Gedenkens, sei ein totalitäres. Geht dieser Begriff als ein negativ konnotiertes Urteil selbst auf eine politische Theorie der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück2, findet er in der alltäglichen Politsprache zeitgenössischer Deklarationen deutsch-europäischer Institutionen seine Anwendung ohne explizite Begründung. Er erscheint damit als gesellschaftlicher Konsens, welcher seiner Bedeutung die Zustimmung verleiht. So auch in einer Deklaration der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes Marianne Birthler, die bei der Diskussion über die Kriegsschuld am Zweiten Weltkrieg Stalin involviert wissen will. Dem Inhalt der Deklaration zur Folge hatten am 23.08.1939 »Deutschland und die Sowjetunion den unseligen »Hitler-Stalin-Pakt« abgeschlossen, mit dem die beiden totalitären Diktaturen die baltischen Republiken, Polen, Finnland und Rumänien unter sich aufteilten.«3 Dass beide Staaten gleichermaßen totalitäre Diktaturen seien, die die Welt in konspirativer Manier unter sich aufgeteilt hätten, sieht die Verfasserin der Deklaration als hinreichenden Grund, geschichtsrevanchistisch zu behaupten, dass »Deutschland und [Hervorhebung P.V.] die Sowjetunion im September 1939« den »Auftakt zu einem beispiellosen Eroberungs- und Vernichtungskrieg« gaben, also letztere gleichermaßen wie Nazideutschland an der Verwirklichung des nazistischen Vernichtungsfeldzug Schuld trüge, der die UdSSR selbst überzog.

Wurden in der Mitte der Deklaration noch floskelhaft die Verbrechen des Nationalsozialismus erwähnt, so nicht in dem die LeserInnen mahnenden Abschluss.4 Dort heißt es sodann, es sei für ein freies und demokratisches Europa lediglich die Erinnerung an die kommunistische Ära unerlässlich und konstitutiv für ein richtiges Verständnis der geschichtlichen Ereignisse: »Ein freies und demokratisches Europa muss sich seiner Geschichte bewusst sein. Es braucht die Erinnerung an die kommunistische Ära und an ihre Überwindung.« Endlich, so kann das zu lang gescholtene Deutschland aufatmen, dient es nicht mehr allein als Negativbeispiel in der offiziellen europäischen Gedenk- oder Verdrängungspolitik und kann sich seines zu eng anliegenden, geschichtlichen Schuldkorsetts entledigen; dank des Hitler-Stalin Paktes über sechs Millionen tote Juden und zwanzig Millionen tote Russen hinwegsehen und sich mit sich selbst versöhnen.

Deutschland bedient sich

Verweist die Deklaration der Birthler-Behörde selbst schon auf die Europäisierung der deutschen Erinnerung, der Historisierung des Holocaust zum europaverbrecherischem Allerlei, so findet deren Inhalt auf europademokratischer Ebene in der Vilnius-Resolution der Parlamentarischen Versammlung der OSZE vom 3. Juli 2009 mit dem deutschen Titel »Geteiltes Europa wiedervereint« sein Äquivalent. Auch in dieser Resolution, die auf Betreiben osteuropäischer Mitgliedsländer der EU hin ausgearbeitet wurde5, findet sich die Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Stalinismus als zwei totalitäre Regime. Diese seien daher in gleicherweise verantwortlich für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, da die additive Art der angeführten und unkommentierten geschichtlichen Verbrechen innerhalb der Resolution keine Differenzierungen zulassen. So der englische Wortlaut der Resolution: »Noting that in the twentieth century European countries experienced two major totalitarian regimes, Nazi and Stalinist, which brought about genocide, violations of human rights and freedoms, war crimes and crimes against humanity."6

Weiter hält die Resolution fest, dass alle in der Organisation vertretenen Staaten sich verpflichteten »to clearly and unequivocally« also ein-deutig (sic) »condemn totalitarianism.« Ihrer eigenen Logik folgend, konvergiert die Gleichsetzung in einen Zynismus, der in der Forderung nach einer gemeinsamen Gedenkstätte und eines »Europe-wide Day of Remembrance for Victims of Stalinism and Nazism, in order to preserve the memory of the victims of mass deportations and exterminations« seinen Ausdruck findet - kann man sich doch gut vorstellen, dass deutsche Gedenkbürokraten den Tod nazistisch vernichteter Juden und von der Roten Armee gelynchten Nazis gleichfalls beklagenI. Diese europolitisch korrekte Möglichkeit zur Relativierung deutscher Verbrechen erkannt, greifen deutsche Europaabgeordnete in die Tasten, um sich via Pressemitteilung für ihre Verwirklichung einzusetzen. So auch der für die FDP im Europaparlament sitzende, am Standort Deutschland interessierte Alexander Alvaro, der den 23. August als hervorragend geeignet sieht, eine »mahnende Erinnerung an die Verbrechen in unserer gemeinsamen Vergangenheit« zu schaffen, um einer Wiederholung der »Schrecken europäischer Vergangenheit«7 vorzubeugen. Diese scheinbar gemeinsame Schreckenserfahrung täuscht über die historischen und politischen Differenzen hinweg und verwischt die Grenzen zwischen Verursachern und Betroffenen, Tätern und Opfern wie Vernichtungskrieg und militärischer Verteidigung. Folglich wird erstens Osteuropa, da unspezifisch ins geschichtliche Geschehen inkludiert, für alle Verbrechen gleich verantwortlich vereinnahmt, woraus zweitens folgt, dass die deutschen Verbrechen im Fahrwasser ihrer Europäisierung angenehm weichgespült werden - der Mantel europäisierter deutscher Verbrechen um die Schultern der erneuerten nationalen Identität lässt diese wundersam sympathisch auftreten.

Zusammengenommen zeigt sich das gedenkpolitische Anliegen: Gedenkstätte und europaweiter Gedenktag stellen nämlich das am besten geeignete Mittel dar, um ein ahistorisches, undifferenziertes Alltagsbewusstsein in Deutschland über die geschichtlichen Ereignisse zu schaffen. In diesem sind die differenzierten Handlungsmotivationen der geschichtlichen Akteure, die sie umfassenden geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontexte wie auch deren divergent ideengeschichtliche Bedingtheit k(r)auterisiert. - Nicht höhnischer hätte man den im Kampf gegen den Faschismus getöteten Kommunisten posthum ins Gesicht spuken, nicht lächerlicher und vergessener ihren Schwur von Buchenwald, den Nazismus mit seinen Wurzeln zu vernichten8, machen können. Scheinen sie doch nur die roten Nazis gewesen zu sein.

Deutschland reflektiert sich

Ihre theoretischen Grundlagen finden die ideologieträchtigen, gleichsetzenden Verurteilungen des sogenannten Totalitarismus, auch wenn sie sich nicht explizit auf sie beziehen, in der deutschen Totalitarismustheorie der 50er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Der historische und gesellschaftspolitische Kontext, aus dem heraus sich die gegenwärtig bekannten Totalitarismustheorien speisen, ist auf die späten 30er Jahre datiert, in deren letztem Jahr der Hitler-Stalin-Pakt geschlossen wurde. Daraufhin vollzogen antifaschistische Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten einen antitotalitären Konsens, der sich aber ebenso mit Ansichten von emigrierten, antikommunistisch gewendeten Renegaten wie Franz Borkenau überlagerte. Diese brachten ihre Enttäuschung und stalinistische Traumatisierung in einem Bekenntnis zur liberalkapitalistischen Demokratie und einem Gleichsetzen von »braunem Bolschewismus« mit »rotem Faschismus«9 zum Ausdruck.

In Deutschland machte sich das westdeutsche Theoretikerpaar Carl Joachim Friedrich und Zbigniew K. Brzenski in den 50er und 60er Jahren, also zu jener Zeit, in welcher sich nahezu alle politischen Theorien in den argumentativen Schützengräben des Kalten Krieges wiederfanden,10 um die Entwicklung und Verbreitung der Totalitarismustheorie verdient.11 Dabei stimmte es in den Kanon ein, wie er auch von der American Academy of Arts and Sciences auf ihrer internationalen Totalitarismustagung 1953 verabschiedet wurde, den Totalitarismus als negative Abwehr-Ideologie in vehementer Feindschaft zum pluralistisch-demokratischen Verfassungs- und Rechtstaat zu begreifen. Dieser wird dabei in der Theorie zum normativen Kriterium der Bewertung von Staaten, um ihnen das Label »totalitär« zu verleihen, erhoben.12

Friedrich und Brzenskis Theorie soll im Folgenden kurz dargestellt wie ihr geschichtsrelativierender, politinstrumenteller, ideologischer und Status quo affirmierender Charakter nachgewiesen und darüberhinaus deren theoretische wie gesellschaftlich-praktische Folgen aufgezeigt werden; dass sie schließlich ihre normative Setzung mit einem kritikimmunisierenden Heiligenschein versieht.

Bei der Totalitarismustheorie handelt es sich um einen ausschließlich formbezogenen Ansatz, der Diktaturen lediglich aufgrund der Phänomenologie von Herrschaftsstrukturen und -mechanismen vergleichen zu können und als totalitär auszuweisen vermeint. Dabei rücken der Nationalsozialismus und Stalinismus in den Fokus der vergleichenden Betrachtung, die über sechs Analysepunkte strukturiert wird. Diese sechs Punkte sind: Ideologie mit Ausschließlichkeitsanspruch, monolithischer Machtapparat, Massenmobilisierung durch eine Einheitspartei, Propaganda und Kommunikationsmonopol, politischer Terror und Zentralverwaltungswirtschaft13. Augenscheinlich wird an dem Aufzeigen der Bewertungskriterien, dass die Perspektive der Analyse von den Grenzen des Politischen flankiert und auf dessen Techniken konzentriert wird, folglich stark begrenzt ist. Somit erweist sie sich als notwendig blind gegenüber gesamtgesellschaftlichen Prozessen, weil diese weit über das Politische hinaus mit kulturellen, ökonomischen und sozialen Faktoren verschränkt sind. Diese Limitierung bringt weitreichende Konsequenzen mit sich: Zum einen muss die Totalitarismustheorie, wenn sie ihrem Anspruch, das (totale) Wesen von Diktaturen zu begreifen, genügen will, an dem Punkt, wo ihre Aussagen über das Spektrum der politischen Techniken hinausgehen, notwendig Verallgemeinerungen postulieren. Das bedeutet zum Anderen, dass ihr die Analyse in den Tiefenbereich der Gesellschaft, also in jenen der Konstitutionsbedingungen (Eigentums- und Klassenverhältnisse, soziale Prozesse, mentale Strukturen) der von ihr untersuchten Herrschaftsmechanismen verwehrt bleibt - der leere Formbezug fordert sein Tribut: Dessen Abstraktion von unterschiedlichen sozio-kulturellen wie polit-ökonomischen Bedingungen, die staatliches Handeln in verschiedener Weise determinieren, indem sie seinen VertreterInnen unterschiedliche Handlungsrationalitäten abverlangen, führt z.B. dazu, dass die Theorie das Wesensmerkmal Antisemitismus des Nationalsozialismus nicht in ihre Analyse mit einbeziehen kann. Folglich kann sie nicht beantworten, wie eine industrielle Vernichtung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden möglich wurde, was zu erklären indes eine notwendige Voraussetzung für ein wahres Verständnis des Nationalsozialismus darstellt. Wagt sie es dennoch, ihrer Grenzen anscheinend nicht bewusst, dann mit fataler Konsequenz: »Die Unterstützung Hitlers durch die Massen beruhte auch zu Beginn des Regimes hauptsächlich auf anderen Faktoren, und der Antisemitismus war eher geeignet [...] bei vielen Hitlers Anziehungskraft zu schwächen als zu stärken.«14 Diese zynische und vor allem unzureichende wie verzerrende Berücksichtigung des Nationalsozialismus folgt jedoch aus der Hauptstoßrichtung der Analysestruktur selbst, die weniger auf ein tiefgreifendes Verständnis desselben als eher auf dessen Relativierung und die Etikettierung des Stalinismus als totalitär abzielt, das gleichfalls, wie gezeigt, einem politischen Interesse im kaltkriegerischen Kontext entspricht. Folgende Beispiele sollen das verdeutlichen: Wurden zwar in der gemeinsamen Vernichtung der Jüdinnen und Juden die deutsche Arbeiterklasse und ihre Kapitalisten in der Volksgemeinschaft liiert und realiter vereint, so bestand das private Kapital wie z. B. das Familienunternehmen Krupp nach wie vor, das seine Wertverwertung dank des Nationalsozialismus sogar noch potenzieren konnte. Gleiches gilt für den Machtapparat: Gelobten zwar all dessen Mitglieder dem Führer sein Heil!, so herrschte fortwährend eine starke Konkurrenz zwischen ihm, Partei, SA, SS und Heeresführung. So erweist es sich als äußerst schwerlich, den Nationalsozialismus auf Grundlage der Theorie von Friedrich und Brzenski als totalitär zu verifizieren, da sich der empirisch-analytische Nachweis einer Zentralverwaltungswirtschaft und eines monolithischen Machtapparats ohne Verbiegung der Tatsachen als unmöglich herausstellt. Dessen totaler Charakter wird vielmehr als solcher anerkannt vorausgesetzt, so aber, vor dem Hintergrund der Strukturmerkmale totaler Herrschaft, verzerrt. Die Analyse gilt vielmehr dem Stalinismus, trifft doch dort ihr Raster gänzlich zu. Das zwingt folglich zu fragen, ob die Totalitarismustheorie sich ernsthaft einer vergleichenden Analyse widmen oder sich des Nationalsozialismus bedienen will, um dessen Dämon auf den Stalinismus zu projizieren, um sie letztlich gleichzusetzen. Angesichts der aufgezeigten Hauptstoßrichtung, den Stalinismus als totalitär zu labeln und der Verzerrung nationalsozialistischer Strukturen zugunsten einer Kongruenz mit demselben, lässt sich der Schluss ziehen, dass dieser dem Nationalsozialismus wesensgleich zu Seite gestellt werden soll.

Deutschland vergleicht sich

So lässt sich sodann die Zurichtung von Äpfeln zu Birnen vermittels der dargestellten abstrahierenden Analyse, deren leerer Inhalt übersetzt letztlich Geschichtslosigkeit und das oberflächliche Kratzen an der Kruste des selbst verklärten Untersuchungsgegenstandes bedeutet, aufs bürgerliche Trapez bringen. Auf dieser Grundlage wird dann schließlich Leeres verallgemeinernd behauptet, dass sich »die totalitäre Gesellschaft des Faschismus und die des Kommunismus [...] in den Grundzügen gleichen, also mehr Ähnlichkeit miteinander als mit anderen Regieruns- und Gesellschaftssystemen haben«15. Diese Gleichziehung entledigt in ihrer Konsequenz das KZ seiner Spezifik als besonderes Vernichtungslager, lässt den Gulag somit als ihm wesensgleich erscheinen, setzt Rassenwahn und Klassenkampf16 in eins und transformiert letztlich das von allen Widersprüchen gereinigte Phänomen des Totalitarismus in das Wesen des Kommunismus selbst. Der Nationalsozialismus erscheint hingegen nur als Abwehrreaktion auf die bolschewistische Bedrohung.17 Das wirkt trotz allem damit verbundenen Geschichtsrevanchismus nicht verwunderlich, sondern so gegenaufklärerisch konsequent wie es ideologisch boniert und faschismustheoretisch nichtssagend ist. Die Tatsache, dass Totalitarismustheoretiker der Bundesregierung und ihrer Institutionen als führende Ansprechpartner zur Etablierung einer Erinnerungspolitik der deutsch-deutschen Geschichte gelten18, offenbart den antikommunistischen wie Nazismus relativierenden Charakter jener Politik - das sein Antlitz im Glanz der Geschichte wähnende Deutschland erfährt deren Fassaden zerbröckelnde Kontinuität.

Demnach belegen die sechs Kategorien selbst also, die nach Friedrich/Brzezinski allesamt zum Nachweis totalitärer Herrschaft vorhanden sein müssten, in Anbetracht ihres Versagens, den Nationalsozialismus auf der eigenen theoretischen Grundlage als totalitär zu erfassen, dass es sich bei der Theorie um eine Doktrin handelt, die in erster Linie auf die Diskreditierung den Stalinismus19 abzielt, letztlich aber auf den Kommunismus durch die Identifikation mit jenem schießen lassen soll. So avancierte die Totalitarismustheorie nach Roth zum ideologischen »Kernstück [...] des Kalten Krieges«20  auf dessen Grundlage sich die antikommunistische Phalanx gegen den ehemaligen Alliierten-Partner im Kampf gegen den Faschismus schmieden ließ. Dieser bestimmte politinstrumentelle Charakter lässt sich einerseits an ihrem zyklischen Erscheinen ablesen und daran, dass die Legitimation ihrer Deutungs- und Erklärungshegemonie stark vom Bedürfnis der spezifischen politischen Verhältnisse abhing. Andererseits verweist die frühe Anwendungsgeschichte der Totalitarismustheorie21 auf eine immanente Doppelfunktionalität, sich auf der einen Seite selbstlegitimatorisch-affirmativ wie bei den italienischen Faschisten und auf der anderen Seite im Sinne des antitotalitären Konsens negativ-abwehrend anwenden zu lassen. Der Totalitarismustheorie ist damit eine ideologische Ambivalenz und Außenbestimmtheit eigen, die sie von einem kritischen Erkenntnisinteresse fern und dagegen das Banner einer rechtskonservativen Geschichtsauslegung im Wind bürgerlicher Objektivität hoch halten lässt. Somit vermag die Totalitarismustheorie angesichts ihres Wehens im Strom herrschaftlicher Interessen einer auch an ihrem Selbstanspruch gemessenen, kritischen Überprüfung nicht standzuhalten. Überdies jedoch bringt sie ihr Begriff von und der Umgang mit ihrer normativen Grundlage, die auf ihren affirmativen und ideologischen Charakter verweisen, gänzlich ins Stürzen.

Deutschland entzieht sich

Dass innerhalb der Theorie der pluralistisch-demokratische Verfassungs- und Rechtsstaat, der Status quo das normative Kriterium darstellt, wird ersichtlich, wenn man die sechs Merkmalsgruppen als ex negativo Deskription desselben begreift: keine offizielle Staatsideologie, Gewaltenteilung, repräsentative Demokratie und Parteienvielfalt, Presse- und Meinungsfreiheit, Wahrung der Grundrechte und freie/soziale Marktwirtschaft. Der bürgerlich-demokratische Staat stellt damit zunächst das Gegenbild zum »totalitären« dar, avanciert aber aufgrund des ihm verliehenen normativen Status in der Theorie zum Vorbild von Gesellschaftsformationen allgemein. Das geschieht insofern, als dass der direkte Konnex von (Vor-)Bild und Gegenbild einerseits impliziert, dass jedwede Organisation von Menschen außerhalb des Rahmens einer bürgerlichen Demokratie eine schlechtere, amputierte sei und andererseits scheint jedes Engagement für eine Emanzipation und Abschaffung von Staat und Kapital sich notwendig am Ende in eine Diktatur zu transformieren. Damit erweist sich das Totalitarismusparadigma als Status quo affirmierend und Herrschaftsideologie, zugespitzt formuliert als Theorie gegen gemeingefährliche Emanzipationsbestrebungen mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse aufrecht zu erhalten, in denen der Mensch ein verächtliches Wesen ist.

Dieser Charakter generiert gravierende analytische Folgen: der normative Bezugspunkt wird aus der Analyse ausgeblendet und nicht an seinen eigenen Maßstäben gemessen und zum Vergleich von Diktaturen herangezogen; eine kritische Überprüfung des bürgerlich-demokratischen Rechtstaats findet also nicht statt. Das geschieht jedoch aus einem guten Grund: »Würde dies geschehen, dann müßten zwischen das dichotome Bild- und Gegenbildschema vermittelnde Merkmalsgruppen gesetzt werden, um die im realen historischen Prozeß vorhandenden Zwischenstufen und Wechselwirkungen zwischen den beiden Haupttypen sichtbar zu machen.«22 Hiernach ginge nach Roth jedoch das Freund-Feind-Schema verloren und der objektive Feind finge an zu bröckeln, weshalb die Überprüfung nur auf der Seite des Gegenbildes stattfindet. Nach dem normativen Begriff des Status quo stellt sich somit jede Emanzipationsbewegung als objektiver Feind dar.

Die Totalitarismustheorie entpuppt sich damit als schlichte Freund-Feind-Konstruktion, deren Begriff impliziert, dass jedwede Opposition, welcher Art auch immer, gegen den demokratisch-kapitalistischen Staat als totalitär bzw. extremistisch gilt.23 Der wird, als normative Grundlage der Theorie, nicht hinterfragt bzw. aufgrund der Implementierung in den Theoriebegriff aus der Analyse ausgeschlossen. Und schließlich wird er zum Idealbild von Vergesellschaftung erhoben, weil seine tatsächliche Gewordenheit, und damit seine Überwindungsmöglichkeit von seiner Ausklammerung aus der Analyse und damit von seiner scheinbar an sich seienden Normativität überschienen werden. An dieser Stelle zeichnet sich sodann eine Konsequenz der Art der Theorienbildung ab: sie stellt die Theorie in die Gegnerschaft zu einem materialistischen Geschichts- und GesellschaftsverständnisII, einem Denken, dass alles Sein und daher sich selbst als bedingt begreift. Das bedeutet zugleich die Veränderlichkeit allen Seins. Je stärker aber eine Theorie ihre Kategorien und Begriffe gegen deren Bedingtsein abdichtet »[...] um des Unbedingten willen, um so bewußtloser, und damit verhängnisvoller, fällt [sie] der Welt zu.«24 Und zwar so, wie sie ist. Indem die Totalitarismustheoretiker also die politischen Merkmale der bürgerlichen Ordnung als bloßes Gegenbild zur ‚totalen' aufnehmen, aus der Analyse ausschließen und ihnen eine absolute Normativität verleihen, erscheint die bürgerliche Ordnung als geschichtlich wie gesellschaftlich unbedingt; damit als unveränderlich. Solch ein Vorgehen deutet zugleich auf ein Verständnis geschichtlicher Ereignisse hin, das diese wie warengleich vermitteltet begreift: Sie stellen sich diesem Verständnis nach scheinbar durch sich selbst vermittelt da. So können aber deren Entwicklungen gar nicht gedacht werden und erscheinen letztlich als mythisch vermittelte, universell austauschbare Phänomene im Warenhaus der Geschichte. - Als ob Geschichte keiner Gesellschaft bedürfte.

Auch wenn die methodischen Defizite ab den 60er Jahren überarbeitet wurden, so trugen die Revisionen weder zu einer Aufgabe der »dichotome[n] und zugleich normativ-statische[n] Grundlage«25 noch zur Dynamisierung des schablonenhaften Analysevorgangs bei. Folglich erweist sich die Totalitarismustheorie als Phänomenologie eines objektiven Feindes, um durch eine lautstarke Totalitarismuskritik eine Kritik des Status quo zu übertönen, bzw. zu diskreditieren und kriminalisieren. Erwies sich doch der Begriff ihrer Kritik als herrschafftsdienliche Affirmation des Bestehenden; die Theorie somit als die eigene Wirklichkeit ausklammernde Herrschaftsideologie, deren Wirklichkeitsbegriff das Bestehende zum Wahren und Guten erhebt. So lässt sich die Theorie also nicht nur anhand ihres Scheiterns an einer kritischen Aufarbeitung von Diktaturen kritisieren, sondern ebenso wegen der Etablierung eines Denkmodells, das in seiner Konsequenz jedwedes Emanzipationsbestreben vom Status quo mit Tod und Verderben identifiziert.

Die Totalitarismustheorie leistet folglich Mehreres simultan, das man in zwei nebeneinander stehenden Hauptsträngen bündeln kann: Betreibt sie auf der einen Seite die Relativierung des Nationalsozialismus durch eine Gleichsetzung mit dem Stalinismus, von dem sie abstrahiert und mit Kommunismus in eins setzt, wodurch dieser letztlich als objektiver Feind der Menschheit diffamiert wird, leistet sie auf der anderen Seite eine auf der Grundlage des dämonisierten Kommunismus erzielte Verabsolutierung des bürgerlich-demokratischen Verfassungs- und Rechtsstaats. Dieser Verabsolutierung und ihrer Bedeutung kritisch bei zu kommen, nimmt damit den zweiten Teil dieses Essays ein, um letztendlich auf die theoretischen wie gesellschaftlichen Folgen zu sprechen zu kommen.

Deutschland verewigt sich

»Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.«27

Das Totalitarismustheorem erhält durch seine Doppelaufgabe eine zweifache Bestimmung: Es ist einerseits Ausdruck eines von den gesellschaftlichen Verhältnissen aufgeprägten fetischisierten Bewusstseins, weil in ihm die kapitalistische Wirklichkeit als natürlich begriffen und normativ stilisiert wird. Andererseits trägt es als innerhalb der deutschen Gesellschaft gedenkpolitisch genutzter Think Tank zur Fetischisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse bei, indem sie unhinterfragt und damit nur deren Schein nach als Erklärungs-und Evaluationsinstrument der Welt herangezogen werden. Damit ist das Theorem bloße Ideologie, theoretische Reproduktion des Fetischs bürgerlicher Verhältnisse. Die Eigenheit des Theorems ist, dass in ihm das gesellschaftliche Verhältnis, das Kapitalverhältnis, nicht nur zu einem über der Wirklichkeit levitierenden Geist phantasiert wird, der es als natürlich erscheinen lässt, sondern dass es schließlich als richtender Gott inthronisiert wird, so dass es gleichzeitig als das Ewige und universell Gute erscheint. Infolgedessen wird die bürgerliche Gesellschaft zum Maß aller Dinge verklärt, das zu transzendieren eine frevelhafte Todsünde darstellt, die mit der gesellschaftlichen Ächtung als totalitär bestraft wird.

Diese Doppelbestimmung fand in der OSZE-Resolution von Vilnius seinen empirischen Niederschlag. Wird, wie schon gesagt, zunächst die Dämonisierung des Kommunismus28 an sich als »totalitarian Rule« durch die von sozio-historischen Bedingungen abstrahierende Gleichsetzung mit dem Nationalsozialismus betrieben, findet sich im Anschluss daran die durch die Erfahrung der »totalitären« Staaten begründete Proklamation der weltweiten Durchsetzung der eigenen unhinterfragten Normensetzung. So steht in der Resolution formuliert: »Emphasising, however, that it is the obligation of governments and all sectors of society to strive tirelessly towards achieving a truly democratic system that fully respects human rights, without making differences in political culture and tradition a pretext for the non-implementation of commitment."29 Weiter sollen sich alle partizipierenden Staaten dafür einsetzen, »a. to continue research into and raise public awareness of the totalitarian legacy; b. to develop and improve educational tools, programmes and activities, most notably for younger generations, on totalitarian history, human dignity, human rights and fundamental freedoms, pluralism, democracy and tolerance". Darüberhinaus sei jedes Verhalten, welches »resist full [totale?, Hervorh. u. Anm. d.Verf.] democratisation [...] or extend into the future [...] totalitarian rule", also jedwedes als solches identifiziertes Emanzipationsbestreben, zu demontieren.

Zusammenfassend erweist sich die Totalitarismustheorie als eine Pseudowissenschaft und damit als herrschaftsförmiges Instrument, das erstens das nationalsozialistische Verbrechen relativiert, zweitens lediglich antikommunistische Ressentiments bedient, um drittens bürgerliche Freiheit und kapitalistische Staatlichkeit, Pluralismus, repräsentative Demokratie und Toleranz zu proklamieren und sich durch deren Verklärung zu unabhängigen, vernünftigen und glücksversprechenden Anrufungsinstanzen der Menschlichkeit gegen Kritik zu immunisieren - so als ob anhand der Verbesserung von Herrschaftstechniken die Menschheit zu sich selbst käme.

Der der Theorie zugrunde liegende wie von ihrer gedenkpolitischen Anwendung reproduzierte Fetisch der bürgerlichen Verhältnisse täuscht dabei darüber hinweg, dass diese Normen oder Systemkoordinaten sich nur vor dem Hintergrund eines herrschaftlichen Gewaltmonopols garantieren lassen. Deren staatsrechtliche Absicherung stellt überdies einen notwendigen Bestandteil der kapitalistischen Produktions-und Gesellschaftsordnung dar, bedeuten sie doch gemeinsam die notwendige abstrakte Gleichheit des Menschen, die »Wertform des Individuums«30. Der diese garantierende Staat ist also, an den als scheinbar vernünftiges, selbstbestimmtes Subjekt in der Resolution appelliert wird, als »Agent der fetischisierten Wertverwertung«31 mit der Ökonomie verschränkt und deshalb nicht, wie er imaginiert wird, unabhängiger Diener der Menschheit. Diese bleibt stets sein Objekt, indem seine Repräsentanten ihre Nutzbarmachung für die ökonomische Verfahrensordnung mit bis hin zu physischer Gewalt aufrechterhalten; solange er also besteht. Ebenfalls sind die durch staatliche Gewalt garantierten Systemkoordinaten gesellschaftlich wie geschichtlich aufgeladen und nicht einem unbedingten Reich der Vernunft entsprungen, sondern mit einem fundamentalen, allumfassenden Zwangszusammenhang verschränkt, welcher ein mögliches Reich der Freiheit tendenziell verbarrikadiert. Deshalb ist es nicht so wie es den paradoxen Anschein erweckt, dass es sich bei dem deutschen demokratisch-pluralistischen Verfassungs- und Rechtsstaat um eine gewaltfreie Gewalt handelt32, sondern um einen Gewalt- und Zwangsapparat, der aufgrund des Blicks fetischisierten Bewusstseins als Resultat vernünftiger Entscheidung erscheint, doch in Wahrheit als Exekutor der Irrationalität agiert.33 Oder einfacher ausgedrückt: Deutschland kann nicht das süß quickende Schweinchen sein, das Glück bringt, sondern nur die eben dieses im Dreck vergrabende Sau.

So lässt sich zum Abschluss, die beiden Verlaufsstränge der Kritik zusammengeführt folgern, dass die deutschen Totalitarismustheoretiker, anstatt einen wahren Begriff der Wirklichkeit, der Verschränkung von Staat und Kapital zu erlangen, sich diesen andienen. Sie sind also weder den Staat als Formgeber des Kapitals noch dieses als Inhalt des Staats wie deren Verhältnis als geschichtlich gewordenes zu begreifen in der Lage und vermögen daher nicht zu sagen, wie die kapitalistisch zerrüttete Weimarer Republik zum nationalsozialistischen Vernichtungsapparat wurde. Auf den Punkt gebracht: Statt dort, wo es notwendig wird, empirisch in die Geschichte zu gehen, um nationalsozialistische wie stalinistische Strukturen zu greifen und auseinander zu halten, wird in der Totalitarismustheorie abstrahiert bis ihre Denker blind in gleichmachende Leere straucheln. Und andernorts, in der kapitalistischen Wirklichkeit, wo es sich aufzwingt, abstrakt zu werden, um nicht nur dem Schein aufzusitzen, bleiben sie naiv empirisch und nehmen für bare Münze, was nur Versprechen sind.

Insofern also die totalen Theoretiker in ihrer ideologischen Verbohrtheit den Nationalsozialismus geschichtslos und verharmlosend behandeln wie das kapitalistische Herrschaftssystem, das ihrem Wirklichkeitsbegriff zufolge vom Ende der Geschichte her in die Welt getreten zu sein scheint, dieses als den Segen der Menschheit verabsolutieren und somit als eine Bedingung an der Verwirklichung am Nationalsozialismus verkennen, sind sie blind gegenüber einer im Kapitalismus fortdauernden Faschismusmöglichkeit, die damit verewigt wird. Folglich, gemessen an ihrem Selbstanspruch, die Zukunft der Menschheit vor weiteren »totalitären« Diktaturen zu bewahren, delegitimiert sich die Totalitarismustheorie selbst. Der Kritik Roths, die Totalitarismustheorie stünde in der Tradition der »[...] Gegenaufklärung zur Abwehr jeglicher Ansprüche auf gesellschaftliche Emanzipation« 34, ist daher zuzustimmen. Stellen ihre Theoretiker sich doch vehement gegen offene, soziale Entwicklungen, die sie glauben mit ihrer Apologie des Bestehenden zu verteidigen, aber gerade deshalb letztlich konterkarieren, indem durch die gedenkpolitische Anwendung der Theorie dem Alltagsbewusstsein gewahr werden könnende Möglichkeiten der Befreiung desavouiert werden.

Deutschland verbietet sich

»[B]estreiten, daß ein Wesen sei, heißt sich auf die Seite des Scheins, der totalen Ideologie schlagen, zu der mittlerweile das Dasein wurde. Wem alles Erscheinende gleich viel gilt, [...] macht [...]gemeinsame Sache mit der Unwahrheit.«35

Versammeln sich nun denn allerhand klatschende wie jubelnde Menschen vor den Tribünen deutschen Gedenkspektakels, das wie anhand begleitender Deklarationen, Gedenktafeln und Mahnmalen gezeigt mit dem Totalitarismusansatz eine instrumentelle Einheit bildet, so rottet sich eine Bestätigung dessen zusammen, das aufgrund notwendig spezifischer Geschichtsverklärung aber auch wegen seiner Heiligsprechung der allgemeinen Gegenwärtigkeit nur vernichtende Kritik erfahren kann. Denn es ist dies eine konsensuale, nationalistische, den Schein bürgerlicher Verhältnisse reproduzierende Gedenkpolitik, die einerseits den entlastenden und damit Standort verwertbaren Realwiderspruch, wenn es Jeder war, dann war es Keiner, statthaben lässt, der freilich nur dem Leid derjenigen gewidmet ist, die Täter waren und deshalb die Opfer verpönt. Andererseits erhebt sie die kapitalistische Vergesellschaftung zum Wahren und Guten, was sich nur als Falsches und Schlechtes begreifen lassen kann, weil sie die Menschen, welchen sie Subjektivität zu verleihen vorgibt, letztlich nur zum lediglich Herrschaft beklatschendem Objekt degradiert. Dieser spezifischen Diskrepanz zwischen einer scheinbaren »Stunde Null« und tatsächlicher geschichtlicher Kontinuität auf der einen und der allgemeinkapitalistischen Kluft zwischen Glücksversprechen und seiner Einlösung auf der anderen Seite kann Deutschland nur mit einer Lüge beikommen, welche es als Wahrheit zu verwirklichen mit seiner eigenen Mythologisierung und dem »Fest der Freiheit« bestrebt ist. Somit drückt das Jubeln im Gedenkjahr die zugerichtete Selbstzurichtung seiner Menschen aus, denen Freiheit in der Wahl verschiedener staatlicher Repräsentanten und warenförmiger Güter als verwirklicht erscheint. Anhand der deutschen Gendenkpolitik erscheint aber diese Freiheit als die einzig geschichtlich mögliche und der Kommunismus damit als Feind der Freiheit schlechthin. So wird in » selbstgerechter Tiefe [...] Partei ergriffen für das Furchtbare, die Idee des Fortschritts gelästert nach dem Schema, was den Menschen mißlang, sei ihnen ontologisch verweigert«36. Somit versucht deutsches Gedenken die Aufgabe zur Selbstfreigabe zu verunmöglichen und die Freigabe zur Selbstaufgabe zu verwirklichen.

Nachtrag: Deutschland äußert sich

Dass sich die deutsche Presse z.B. die FAZken in diese Tradition einzureihen berufen fühlt, war nicht schwerlich zu erahnen. Dass sich aber auch die sozialliberale Süddeutsche in diesen Kanon treiben ließ und zum »educational tool« avanciert, war nicht von vorherein anzunehmen. Sie besticht darin sogar außerordentlich vorbildlich und stellt die FAZ zwar nicht in ganzer Linie aber aufgrund des Überraschungseffektes zumindest kurzfristig in den Schatten. So lag der Ausgabe vom 16.09.09 eine Süddeutsche Zeitung für Kinder bei, deren inhaltliche Ausrichtung dem Imperativ der Resolution artig folge leistet und politische Erziehung betreibt. Damit die Kinder später nicht auf linke Gedanken, sondern auf den rechten Weg kommen, wird ihnen jetzt schon mal verklickert, dass die Linke37 (es wird in dem kleinen Artikel über »Die Linke« nicht von einer Partei gesprochen wie bei den anderen, sondern der allgemeine Ausdruck Linke verwendet) also letztlich alles, was sich ‚links' nennt, die Nachfolge der SED übernommen habe, die immerhin »40 Jahre lang in Ostdeutschland eine Unrechtsherrschaft aufrechterhielt.«38 Weiter treu folge leistend besticht der nächste Artikel mit dem Titel »Gut, besser, Demokratie«, der den jungen Menschen die Demokratie und den Staat zu erklären versucht, natürlich verbunden mit der obligatorischen Laudatio: »Sie [die Demokratie] ist etwas ganz Großes [...]. Sie ist das erfolgreichste, beste und friedlichste Betriebssystem, das es für ein Land gibt, [...] bei dem alle, die in einem Land wohnen, etwas zu sagen haben. [...] Demokratie ist eine Gemeinschaft [...]«39, Deutschland eine Gemeinschaft der Demokraten und der Staat seien wir alle - hat Auschwitz, »das Gründungsverbrechen der »wehrhaften Demokratie« [...] sich doch noch bezahlt«40 gemacht, auch in ideologiepädagogischer Hinsicht.

Für die etwas Älteren artikuliert sich die Süddeutsche etwas unverblümter: »Tod eines Gespenstes«41 lautet ihr Artikel, der seinen Lesern die frohe Hiobsbotschaft offenbart, dass der Kommunismus keine Rolle mehr spiele, sei er doch nur eine »durch ihre Radikalität und Brutalität verbrauchte Ideologie«, wiederlegt durch das Argument des »Kommunismus selbst«. Was hier der Kommunismus selbst genannt wird ist aber auch hier nur dessen geschichtliche Erscheinung: »linker Totalitarismus«, der verbrecherischen Diktatoren ihren »Machttrieb freien Lauf« ließ und marktwirtschaftliche Insuffizienz. Auch wenn der Schreiberling sich ansatzweise darüber im Klaren sein mag, dass die Art seines geschichtlichen Eintretens nicht ganz im Sinne Marxens, des »bürgerliche[n] Lebemann[s]« war, so identifiziert er aber dessen Theorie des Kommunismus, den Marx als »wirkliche Bewegung«42 zur Aufhebung menschenverachtender Zustände verstand, mit »der wirklich starken Hand des Staates«. Er sei eine staatseinende Ideologie gewesen wie sein »unselige[r] Bruder, de[r] Nationalismus.« So werden auch hier Phänomen und Wesen, Stalinismus und marxsche Gesellschaftsanalyse in der Schraubzwinge bürgerlicher Verflachung in eins gesetzt, um, wie herrschaftlich gefordert, endgültig das sozialrevolutionäre Projekt der »freien Assoziation« mit Staatsvergesellschaftung zu identifizieren, zu deren Liquidation die Totalitarismustheoretiker schon die Waffen durchgeladen in ihren Griffeln halten. Wer trotzdem noch Hoffnung hegt, dass sich das Dasein befrieden lässt, dem werden vom Verfasser die utopischen Augen geöffnet: »Es funktioniert nicht« - nur eben so nicht, und das bedenkt unser (Gegen-)Aufklärer nicht, wie die Glühbirne im Mittelalter.

 

ANMERKUNGEN

I) Ein sehr makaber anmutendes Beispiel hierzu kommt aus dem Ort Steinpleis in Sachsen, welches seit 1990 nicht vereinzelt blieb. Im hinteren Teil des Ortsfriedhofes befindet sich auf der linken Seite eine Grabstätte, in der zwei unbekannte, vermutlich jüdische Häftlinge ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Opfer waren im Januar 1945 an der Eisenbahnlinie Leipzig-Hof aus einem Transportzug mit Häftlingen aus dem Konzentrationslager Auschwitz geworfen und tot aufgefunden worden. Die Inschrift auf dem Grabstein wurde nach 1990 erweitert und zugleich den Opfern des Stalinismus gewidmet. Sie lautet: Zum Gedenken / an alle Opfer / des Faschismus / und Stalinismus. Aus: Bernd Faulenbach: Diktaturerfahrungen und demokratische Erinnerungskultur in Deutschland, in: Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, hrsg. von Annette Kaminsky, bearbeitet von Ruth Gleinig, im Auftrag der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Bundeszentrale für politische Bildung, Leipzig 2004, S. 341. Über ein anderes Beispiel wurde in der Taz vom 13. November in dem Artikel Täter und Opfer auf einem Stein berichtet. In Großburgwedel wurde ein Mahnmal errichtet mit der Inschrift: »Unseren Gefallenen der beiden Weltkriege, den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 bis 1945, von Flucht und Vertreibung« Unter dieser Inschrift fanden sich dann jüdische Opfer wie fünf SS-Männer. Als sich das herausstellte, sollte aber erst einmal überprüft werden, ob die SS-Männer überhaupt Verbrechen begangen hätten, so der Sozialdemokrat R. Gutte so der Charakter der deutschen Gedenkpolitik.

II) Ein materialistisches Geschichtsverständnis reflektiert auf das Geschichtliche-Gewordensein der von ihr Untersuchten Phänomene, d.h. es begreift die Welt des Menschen als Produkt des Menschen. Damit weist es über seinen Gegenstand hinaus. So ist es seinem Wesen nach kritisch und revolutionär, weil es in dem »positiven Verständnis des Bestehenden zugleich das Verständnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs einschließt, jede gewordene Form [...] auch nach ihrer vergänglichen Seite auffaßt.« (MEW 23, S. 28).

 

1) An dieser Stelle gilt festzuhalten, dass den Augen der Menschheit der bisherigen Geschichte nie ein befreites und befriedetes Dasein gewahr wurde, welches ich als den groben Inhalt des Begriffs Kommunismus begreife. Er ist darüberhinaus auch kein Zustand, der hergestellt werden soll, nachdem sich im Staatssozialismus jedes wirkliche Grauen rechtfertigen ließ, sondern »die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.« (MEW 3, 35) Er ist revolutionäre Praxis und Emanzipation als menschliche Selbstfreigabe des Menschen zum Menschen. Im deutsch-europäischen Sprachgebrauch gilt er jedoch nur noch als ideologischer Sammelbegriff seiner geschichtlichen Versuche, deren Differenz zum Wesen des K. aber erinnerungspolitisch eingeebnet wird. Die historischen Versuche wie deren Erinnerung sind zu kritisieren.

2) Kreiert wurde der Begriff von dem italienischen Antifaschisten Giovanni Amendola in den 1920er Jahren, der die faschistische Ideologie als totalitär bezeichnete. Die Faschisten übernahmen den Begriff, besetzen ihn positiv und verwendeten ihn zur Bezeichnung ihres Staates, des stato totalitario. In Deutschland kam es Ende der 20er Jahre zur Einebnung politischer Gegensätze, die sich in den Begriffen »Rechtsbolschewismus« und »Linksfaschismus« als Antworten der SPD auf den Sozialfaschismusvorwurf der KPD wiederfand. Ist die Einebnung politischer Gegensätze schon immer Ideologie, so der Begriff »totalitär« ein politischer Kampfbegriff. Dieser trat je nach politischer Wetterlage, während der Allianz von USA und UdSSR gegen Nazideutschland gar nicht, im Kalten Krieg stark und nach dem Wegfall des Ostblocks dauerhaft wiedererstarkend auf.

3) http://www.23august1939.de/index.php, (letzter Aufruf: 5.10.09). Es beziehen sich alle nicht anders verwiesenen Zitate im Folgenden auf die angegebene Quelle.

4) An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass das Ende eines Textes der Leserschaft am besten in Erinnerung bleibt (in der Psychologie nennt man das im Bezug auf das Kurzzeitgedächtnis den »recency effect«).

5) Die Stoßrichtung der von der UdSSR einst besetzten Länder unterscheidet sich von der deutschen insofern, dass jene aus verschiedentlich historischen Gründen nicht um die Relativierung der deutschen Verbrechen, sondern um die Verdammung kommunistischer Bestrebungen bemüht, also dezidiert antikommunistisch sind. Dies wird bestätigt durch die zunehmenden Partei-und Organisationsverbote von kommunistischen Gruppierungen. Das deutsche Anliegen ist, wie soll es auch anders sein, einmalig und ambivalent. Der hiesige Antikommunismus ergibt sich u.a.
aus der neoliberalen Notwendigkeit eines von der Vergangenheit gesäuberten Standorts Deutschland, ist also mit der Relativierung des Nationalsozialismus essentiell verbunden. So kann die BRD sich, indem sie die DDR aufs Schärfste verurteilt, ist sie doch im Gegensatz zum NS der sowjetischen Fremdbestimmung entsprungen, als Geschichtsaufarbeitungs-Weltmeister etablieren.

6) http://www.oscepa.org/images/stories/documents/activities/1.Annual%20Session/
2009_Vilnius/Final_Vilnius_Declaration_ENG.pdf, S. 48ff, (letzter Aufruf:13.09.09).

7) http://www.fdp-in-europa.de/2008/09/05/eu-parlament-befurwortet-gemeinsamen-gedenktag-fur-die-opfer-des-nazismus-und-stalinismus/, (letzter Aufruf: 07.10.09).

8) Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwur_von_Buchenwald#cite_note-1, (letzter Aufruf :13.09.09).

9) Vgl.: Franz Borkenau: The Totalitarian Enemy, London 1939.

10) Im Osten wie auch im Westen, nur dass sie sich hier wissenschaftlich objektiv gebarten, während man sich dort zur Parteilichkeit der Wissenschaft (Marx) bekannte.

11) H. Arendts Buch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft trug zwar ebenso zur Etablierung der Totalitarismustheorie bei, ihre Analyse ist jedoch weitaus differenzierter und Unterschiede zwischen NS und UdSSR aufweisend, bevor sie beide Phänomene miteinander vergleicht. Ihrer eigentlichen Theorie geht im Einleitungskapitel eine Analyse der sozioökonomischen Bedingungen des Antisemitismus voraus.

12) »Totalitäre« Staaten sind demnach alle, die sich in militärischer, ideologischer oder lediglich struktureller Feindschaft zum bürgerlich-demokratischen Verfassungs-und Rechtsstaat befinden. Auf dieser Grundlage lassen sich somit die verschiedensten Varianten des Faschismus mit denen des Sozialismus gleichsetzen.

13) Vgl.: Carl Joachim Friedrich und Zbigniew K. Brzenski: Totalitäre Diktatur (»Totalitarianism dictatorship and autocracy«), Stuttgart 1957. Wie auch (zusammenfassend): Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus - Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 56.

14) Carl J. Friedrich: Der einzigartige Charakter der totalitären Gesellschaft, in: Wege der Totalitarismusforschung, hrsg. von Bruno Seidel und Siegfried Jenkner, Darmstadt 1974, S. 188f.

15) Ebd., S. 179. An dieser Stelle wird nun die besondere geschichtliche Form des Stalinismus allgemein mit dem Begriff des Kommunismus identifiziert und dieser als faschistisches Herrschaftssystem denunziert.

16) Liegt zwar dem Begriff des Klassenkampfs aufgrund seiner spezifischen Geschichtlichkeit eine ebenso schwierige Problematik zugrunde wie dem des Kommunismus, so zielt dieser Verweis primär auf die Ungültigkeit der Gleichsetzung, zu welcher der Begriff »Klassenwahn« geprägt wurde. Danach seien Angehörige der Kapitalistenklasse in der Sowjetunion genauso verfolgt und vernichtet worden wie die Juden in Deutschland. Die Ungültigkeit liegt in der Tatsache, dass keine Jüdin, kein Jude aufhören konnte, ein/e solche/r zu sein und damit vernichtet werden musste, sich hingegen aber ehemalige Kapitalisten in den Reihen der KPdSU wiederfinden konnten.

17) »Ferner beweisen auch die historischen Tatsachen, daß die faschistischen Bewegungen als Reaktion auf die kommunistische Herausforderung entstanden sind.« Aus: Carl J. Friedrich: »Der einzigartige Charakter der totalitären Gesellschaft«, S. 182 f, in: Wege der Totalitarismusforschung, hrsg. von Bruno Seidel und Siegfried Jenkner, Darmstadt 1974. Somit erscheint die UdSSR nachträglich als das Subjekt der nationalsozialistischen Barbarei; die Judenvernichtung als Präventivschlag gegen den »jüdischen Bolschewismus«.

18) Denn der Siegeszug der Totalitarismustheorie vollzieht sich maßgeblich erst nach dem Wegbruch der Blockstaaten und wird einschlägig darin, was man auf »antitotalitärem Konsens« beruhende DDR-Forschung nennt, deren Ergebnisse daher zum Gedenken herangezogen werden.

19) Das zu tun ist an sich richtig. Die Kritik gilt hier dem, wie es nach dem Totalitarismusparadigma durchgeführt wird und worauf dies in letzter Konsequenz hinausläuft.

20) Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus - Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 56.

21) Vgl. Fußnote 2.

22) Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus - Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 61.

23) Das Verhältnis von Totalitarismustheorie und Extremismusbegriff stellt sich derart ein, als dass der zweite Begriff die innenpolitische Anwendung des ersten meint. Vgl.: »Die Extremismusformel. Zur politischen Karriere einer wissenschaftlichen Ideologie«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 12, 2000, S. 1452-1462.

24) Theodor W. Adorno: Minima Moralia, in: Gesammelte Schriften, Band. 4, Frankfurt 1977, S. 281.

25) Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus - Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 56.

26) Ebd., S. 60.

27) Max Horkheimer: Die Juden und Europa, in: Gesammelte Werke, Band 4, Frankfurt am Main 1988, S. 308 f.

28) Vgl. weiterführend: Wolfgang Wippermann: Dämonisierung durch Vergleich - DDR und Drittes Reich, Berlin 2009.

29) http://www.kommunisten.ch/index.php?article_id=737#vilnius, (letzter Aufruf:16.09.09).

30) Karl Marx: »Das Kapital«, in: Marx-Engels Werke 23, Berlin 1962, S. 82.

31) Stephan Grigat: Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus, Freiburg 2007, S. 248.

32) Vgl.: Ebd..

33) Vgl.: Ebd., S. 247.

34) Karl Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus - Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie, Hamburg 1999, S. 74.

35) Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, in: Gesammelte Schriften, Band. 6, Frankfurt 1977, S. 171.

36) Ders.: Kulturkritik und Gesellschaft, in: Gesammelte Schriften, Band. 10.2, Frankfurt 1977, S. 629.

37) Dass es die Partei »Die Linke« in ihrer Gänze z.B. für ihren Antizionismus und ihre Staatsaffirmation scharf zu kritisieren gilt steht außer Frage, aber in diesem Bezug geht es um die Verdeutlichung wie ‚links‘ allgemein auf die DDR zur Verunglimpfung linker Gesellschaftskritik und Bewegung projiziert wird.

38) »Ostsee-Freunde gegen die Alpenfraktion« in: Süddeutsche Zeitung für Kinder (Beilage) vom 16.09.09, S. 5.

39) Ebd., S. 4.

40) ISF: »Krise der Politik, Perspektiven des Staates«, in: Flugschriften - Gegen Deutschland und andere Scheußlichkeiten, Freiburg 2001, S. 53-58.

41) http://www.sueddeutsche.de/politik/202/482656/text/, (letzter Aufruf:16.09.09). Es beziehen sich alle nicht anders verwiesenen Zitate im Folgenden auf die angegebene Quelle.

42) Karl Marx und Friedrich Engels: »Die deutsche Ideologie«, in: Marx-Engels-Werke 3, Berlin 1962, S. 35.


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