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Oktober, 2014:
Ausgabe #9 ist erschienen


Das Wetter


Basisbewegungen
Die komplette Abschaffung der Gesamtschülervertretung (GSV) und Schaffung einer echten Schülervertretung, die auf basisdemokratischer Ebene gewählt wird (...) fordert die Schüler Union Bremen. Schon im Schulalter wissen die CDUler, was die Linken auch nach abgeschlossenem Soziologiestudium nicht wissen wollen: Man kann nur für die Basis sein, wenn die auf deiner Seite steht.

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Krampf um die Köpfe

Die Bewegung vollzieht sich in Widersprüchen. Manchmal verwickelt sie sich auch darin. Zum Beispiel die Bremer Antifabewegung: „Keine Stimme den Nazis!" / „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten." - Diese beiden Positionen werden nicht etwa gegeneinander diskutiert, sondern stehen gemeinsam auf einem Aufkleber von bremen.antifa.net. Bleibt die Frage: Warum eine ganze Kampagne gegen Wahlstimmen, die angeblich doch nichts ändern?

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Schweinereien

Nachdem der linken Szene mit der Schließung der „Kapelle" am Bremer Sielwall-Eck ein liebgewonnenes Hassobjekt abhanden gekommen war, trat bereits Anfang Juni eine Filiale einer Hamburger Gaststättenkette die würdige Nachfolge an. Zur Eröffnung paradierten als Schweine verkleidete Animateure vor dem Ladenlokal. Grell-bunt und freudestrahlend verkündeten sie ihre frohe Botschaft: Kein Märchen. Schweinske kommt.
Erste Farbbeutelattacken ließen nicht lange auf sich warten, seitdem sieht man am Eck öfter mal von „Schweinske" beschäftigte Maler bei der Arbeit.
Dass es der „Kapelle" vergleichsweise gut ergangen ist, liegt an einem einfachen Grund: „Schweinske" hat mehr Feinde. Zusätzlich zu den in Heimatschutzverbänden organisierten Jungpunks und Autonomen hat das neue Lokal auch Vegetarier, Tierschützer, Slowfoodisten und Globalisierungsgegner gegen sich, denen die Sache mit dem Schwein aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht passt.

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Kosmopolitenkampagne

Hatte Ernst Aust, seines Zeichens Vorsitzender der KPD/ML, nicht bereits 1974 in einer Erklärung des ZK gewarnt: Die Bourgeoisie hört auf, selbst die nationalen Interessen der bürgerlichen Nation zu vertreten, sie predigt den Kosmopolitismus, sie geht zum nationalen Verrat über, um ihre Klasseninteressen zu schützen? Damals wurde die weise Warnung des Vorsitzenden überhört. Aber im Bremer Wahlkampf 2007 gaben die Republikaner dem inzwischen verblichenen Arbeiterführer recht und prangerten in ihrer Postille „Bremen aktuell" den Kosmopolitismus des Managements (Artikel-Überschrift) an.

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Was zusammengehört ...

Der eine meint, die Linke könne vom Baumkänguruh viel lernen (http://www.projektwerkstatt.de/hoppetosse/emanzipat/spehr.html), der andere geht lieber beim abgedrehten Nationalisten und Verschwörungstheoretiker Karam Khella in die Lehre (http://www.aksuednord.de/wir.htm). Der eine ermahnt: Emanzipation beginnt von unten, aus dem Inneren der Gesellschaft heraus, aus ihren Kooperationen und Beziehungen - der andere verpasst keine Gelegenheit, sich hinter irakischen Widerstand oder palästinensische Staatsgründer zu stellen. Gemeinsam werben die beiden für die neue linke Partei: siehe Beilage der Tageszeitung „junge Welt" vom 26.04.2007. Zwei Dumme, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ein Gedanke: Christoph Spehr und Frank Eisermann.

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Warenförmig

Wenn das Hausblatt der Grünen von gestern die authentischen Grünen von heute ausfragt, dann kommt es schlimm. Wenn dann der Gesprächsgegenstand auch noch einer ist, von dem beide Seiten, Interviewer und Interviewte, keinen blassen Schimmer haben - wie zum Beispiel ein Wirtschaftssystem, in dem für Bedürfnisbefriedigung und nicht für den Markt produziert wird -, dann hört sich das so an: Sozialismus allein ist für sie deshalb auch nicht alles. Denn auch dort wäre das Tier noch immer eine Ware - und kein gleichberechtigtes Lebewesen (aus einem Artikel der taz Nord vom 23.06.2007 über die Gruppe „aspekt:antispe").

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Anarchistische Marktlogik

„Utopia", die neue Jugendzeitung der Graswurzel-AnarchistInnen, erläutert die ewige Frage „Was heißt Anarchie?": Das heißt, es gibt keinen Chef, der sich an einem Unternehmen bereichert, während die anderen malochen. Sondern der Gewinn wird unter allen Arbeitern (...) aufgeteilt. Und wenn die keinen Gewinn machen, dann werden die wohl sich selbst die Löhne kürzen müssen oder ein paar Stellen streichen. Der (Neo)liberalismus hat gesiegt: Auch die AnarchistInnen wissen heutzutage, dass man nur das ausgeben kann, was man vorher erwirtschaftet hat.

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No Go Area

Dass es sich als AntifaschistIn in der Provinz, in der ostdeutschen zumal, weitaus ungemütlicher leben lässt als anderswo ist keine Neuigkeit und bedarf im Grunde keiner weiteren Erwähnung. Bemerkenswert erscheinen allerdings die Verhältnisse, denen sich der Kreis des Magdeburgischen Antifa-Infoportals (AIP) schon seit längerem ausgesetzt sieht. Bereits im Januar überfielen Mitglieder der »Gruppe Internationale Solidarität« (GIS), der »Autonomen Antifa Magdeburg« (AA/MD) und der »Frauengruppe Magdeburg« einen Teilnehmer einer Gedenkkundgebung zur Befreiung von Auschwitz und beschimpften ihn als Rassisten. In einer anschließenden Stellungnahme verstiegen sie sich im Duktus des örtlichen Blockwarts zu der Drohung: Wir werden es nicht dulden, dass Antideutsche israelsolidarische Politik in Magdeburg propagieren.
Nachdem die erklärten Antiimperialisten Anfang Juni bereits einen Vortrag mit dem Titel Entweder Kritik der politischen Ökonomie oder reaktionärer Antikapitalismus zu stören versucht hatten, ließen sie dann zwei Wochen später, als es um die Kritik von Antiamerikanismus und Antisemitismus gehen sollte, ihren Worten Taten folgen und ihrem Furor endgültig freien Lauf. Mit Steinen und Pfefferspray griffen sie Teilnehmende im Veranstaltungsort an, hinterließen zerbrochene Fensterscheiben und zwei leicht verletzte Personen. Dass die Kritik antiamerikanischer und antisemitischer Ideologien mit derartiger Vehemenz bekämpft, ihr außer dem antideutschen Stempel nur Steine und Reizgas entgegengesetzt werden, offenbart neben der faschistoiden Verfasstheit der Angreifer auch die Banalität des antiimperialistischen Weltbildes, in dessen Zentrum die USA und Israel als willkommene Sichtblende eine umfassende Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse verunmöglichen. Ob in Magdeburg derlei provinzielle Gesinnung weiterhin ihr Unwesen wird treiben können bleibt abzuwarten.

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Hassliebe


Trotz aller Liebe zur Zigarette sahen sich die BetreiberInnen des Bremer Kunst- und Künstlerhauses „Schwankhalle" genötigt, vorauseilenden Gehorsam zu demonstrieren und bereits am 01.05.2007 - über ein halbes Jahr vor dem voraussichtlichen Inkrafttreten des gesetzlichen Rauchverbots in Bremen - das Rauchen in ihren Räumlichkeiten zu untersagen.

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Frohe Botschaft oder: Culture Studies

Wir haben relatives Glück, dass die meisten in Deutschland lebenden Muslime Türken sind. Die neigen nicht zum Terrorismus. Sie sind gelegentlich gewaltbereit, aber hinterlistige Terror-Attentate, das liegt ihnen nicht.
- Der Reichsislamexperte Peter Scholl-Latour warnt in TV Hören und Sehen Nr. 35 vor pauschalen Urteilen über Religion mit einem differenzierten Verweis auf das Rassewesen.


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