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Oktober, 2014:
Ausgabe #9 ist erschienen

Bremer Mescalero

Christian Klar

Ein Zuruf


Bis heute u.a. für den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Haft, machte Christian Klar zuletzt mit einer Grußbotschaft in der »Jungen Welt« an die Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar 2007 von sich reden. In die aktuelle Debatte um eine Begnadigung des RAF-Mitglieds will auch ich mich, stellvertretend für die Extrablatt-Redaktion, mit einem weiteren Praktikumsangebot einmischen. Alle nicht hervorgehobenen Stellen stammen im Original aus dem berüchtigten Flugblatt »Buback - Ein Nachruf« vom sog. »Göttinger Mescalero« von 1977:

»Meine unmittelbare Reaktion, meine ›Betroffenheit‹ nach dem Grußwort von Christian Klar ist schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) meine klammheimliche Freude nicht verhehlen.

Aber das ist ja nun nicht alles gewesen, was in meinem und im Kopf vieler anderer nach diesem Ding herumspukte. So eine richtige Freude, wie etwa bei der Jungen Welt konnte einfach nicht aufkommen, nicht, daß ich mich von der wirklich gut inszenierten ›öffentlichen Empörung und Hysterie‹ kirre machen ließ; dieses Spektakel scheint ja wirklich von mal zu mal besser zu funktionieren und das irgendwo sich eine einzige ›kritische‹ Stimme erheben würde, daran glaubt von uns wohl keiner mehr.  

Nun gut, ein paar haben sich gemeldet - Oscar Lafontaine oder Volker Schlöndorff. Claus Peymann hat Christian Klar sogar ein Praktikum angeboten. Aber die sind nun wirklich alle nicht die Schlauesten. Die mit ihren kruden antiimperialistischen Ansichten bilden ja fast einen hermetische Block, sogar gemeinsam mit den Stimmen, die Christian Klar nie mehr heraus lassen wollen.

Aber deswegen ist mir dieser hermetisch wirkende Block gleichgeschalteter Medien offizieller Verlautbarungen und Kommentare doch nicht so egal, daß ich mich bei irgendwelchen Zeitungsredaktionen überhaupt nicht mehr um ihn zu kümmern brauchte. Jetzt - nach dem Grußwort - ist nicht nur wieder jedes Mittel recht, um die ›Terroristenbrut‹ zu zerschlagen, sondern die angewandten Mittel sind gar zu gering.

Deshalb - und nicht wegen seiner (uns eher ›schleyerhaften‹) Äußerungen aus dem Grußwort - wollen auch wir Christian Klar in unserer Zeitungsredaktion einen Praktikumsplatz anbieten. In die redaktionelle Arbeit wäre er dann zwar weniger eingebunden - da sind die politischen Differenzen dann doch ein bisschen zu groß. Aber er könnte bei uns z.B. lächerliche Tippfehler liquidieren.

Warum liquidieren? Lächerlichkeit kann auch töten, zum Beispiel, auf lange Sicht und Dauer. Unsere Gewalt endlich kann nicht die Al Capones sein, eine Kopie des offenen Straßenterrors und des täglichen Terrors; nicht autoritär, sondern antiautoritär und deswegen umso wirksamer. Einen Begriff und eine Praxis zu entfalten von Kommunismus, der fröhlich ist und den Segen der beteiligten Massen hat, das ist (zum praktischen Ende gewendet) unsere Zeitungsaufgabe.

Ein bißchen klobig, wie? Aber ehrlich gemeint ...«


Bremer Mescalero


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